INDECT – Zukunft der Videoüberwachung

4. März 2011 | Von | Kategorie: Aktuell, INDECT

INDECT ist ein von der Europäischen Union finanziertes Forschungsprojekt an dem eine Reihe von europäischen Universitäten und Firmen beteiligt sind. Zielsetzung des Projekts ist es die Sicherheit der Einwohner zu erhöhen. Was soweit erst mal nicht schlecht klingt, würde bei einer eventuellen Umsetzung des Projekts in die Praxis jedoch zu einer flächendeckenden Überwachung führen.

Grund hierfür ist die dem Projekt zugrundeliegende Methodik: Durch die Analyse von abnormalem Verhalten sollen Verbrechen und die dahinterstehenden Täter automatisch erkannt werden. Als Datenquellen hierfür sollen sowohl existierende Datenbanken der Ermittlungsbehörden, als auch Überwachungskameras und über das Internet verfügbare Informationen dienen. Kurzum, eine Kombination aller derzeit digital verfügbaren Mittel.

Echte Datensätze bestehender Datenbanken stehen dem Projekt nicht zur Verfügung. Die Nutzung solcher Systeme soll jedoch durch Trainingsdatensätze getestet werden. Und dies nicht nur zur automatischen Erkennung von Kriminalität, sondern auch um eben diese Systeme in Hinblick auf ihre Durchsuchbarkeit zu verbessern.

Auch im Bereich der Videoüberwachung möchte das Projekt neue Wege gehen. Neben der Verknüpfung und automatischen Analyse des gelieferten Bildmaterials sollen auch Drohnen (fliegende Überwachungskameras) zur Verfolgung von Verdächtigen eingesetzt werden. In diesem Rahmen werden auch Systeme entwickelt die Polizeibeamten bei der Observation „mobiler Objekte“ helfen sollen.

Im Rahmen der Analyse von Informationen die über das Internet zugänglich sind, geht es einerseits um die Erkennung von Straftaten im virtuellen Raum (beispielsweise die Verbreitung von Kinderpornographie oder die Verbreitung totalitärer Symbole). Andererseits sollen die über das Internet verfügbaren Informationen als zusätzliche Informationsquelle für die gesamte Analyse dienen. So sollen Beispielsweise die an einer Online-Unterhaltung beteiligten Personen und der Kontext der Unterhaltung erfasst werden.

Neben dem gewaltigen Umfang der auf diese Weise verfügbaren Informationen erschreckt jedoch auch das gesetzte Ziel der automatischen Erkennung von Verbrechen. Basierend auf der Erkennung von abnormalem Verhalten würde man automatisch in Verdacht geraten sobald man sich in irgendeiner Form „unangepasst“ verhält. So könnte beispielsweise schon das Rennen auf der Straße als verdächtig interpretiert werden.

Noch ist all dies Zukunftsvision. Im Rahmen des Forschungsprojekts sollen Prototypen der verschiedenen Systeme entwickelt und in ersten Tests in der Praxis erprobt werden. Bis zu einer breiten Umsetzung der entwickelten Techniken wäre es noch ein weiter Weg. Nichtsdestotrotz ist die Förderung eines solchen Projekts durch die Europäische Union besorgniserregend und eine Entwicklung die man im Auge behalten sollte.

Weitere Informationen
http://www.indect-project.eu/ – Projektwebseite
http://www.stopp-indect.info/?lang=de
– Informationsseite der Piratenpartei
http://www.youtube.com/watch?v=yuu1J9Cs2Fk
– Videobeitrag aus 3sat Kulturzeit
Der Rechner als Polizist – FAZ 27.10.2010

 

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Ein Kommentar auf "INDECT – Zukunft der Videoüberwachung"

  1. Hallo Piraten
    Was ist aus dem EU-Überwachungsprojekt Probant (Das gläserne Haus) geworden?
    PROBANT: PEOPLE REAL-TIME OBSERVATION IN BUILDINGS [ftp.cordis.europa.eu]
    “…to visualize, locate, and identify human beings hidden
    behind walls and to follow their movements. In addition,
    measurements of biometric values will help determining
    if they are alive, nervous, sleeping, etc.
    The system will allow for sophisticated data analysis
    techniques and for remote control.”
    Nachdem ich in einem Forum darauf hingewiesen hatte, dass ein EU-Forschungsbericht festhält, dass man mit dem Scanner bereits durch 65cm dicke betonverstärkte Wände sehen kann ist dieser offizielle Bericht aus dem Netz verschwunden! Projektbericht: [209.85.135.132]
    “PROBANT obtained first radar images of a person through a 65 cm thick concrete reinforced wall…”.
    Wer hat Informationen? Bitte hier posten, denn relevante Emails an mich kommen nicht durch.
    Dr. Munzert

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